Vor- und Nachteile von der privaten Krankenversicherung (PKV)

Zuletzt aktualisiert am 10:45 am
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Wenn du Arzt bist – ob in Weiterbildung, als Facharzt, Oberarzt oder selbstständig –, stehst du früher oder später vor einer der wichtigsten Entscheidungen für deine finanzielle und gesundheitliche Absicherung: gesetzliche oder private Krankenversicherung?

Und auch wenn viele glauben, die Entscheidung sei rein finanzieller Natur, ist sie deutlich komplexer. In diesem Beitrag zeigen wir dir, worauf es wirklich ankommt – und warum du diese Wahl nicht auf die leichte Schulter nehmen solltest.

KriteriumPKV (Private KV)GKV (Gesetzliche KV)
LeistungHöherwertig (Chefarzt, Einzelzimmer etc.)Standardversorgung
BeitragUnabhängig vom EinkommenEinkommensabhängig
FamilieZusatzbeiträge je PersonFamilienversicherung inklusive
WartezeitenKürzer, bevorzugte BehandlungTeilweise lange Wartezeiten
FlexibilitätIndividuell anpassbarEinheitliches System
GesundheitsprüfungJa, ggf. RisikozuschlägeNein
BeitragsentwicklungPotenziell steigend im AlterStaatlich reguliert
Langfristige PlanungErfordert Weitblick & TarifstrategieWeniger Planungsaufwand

1. Der Einstieg: Wann haben Ärzte überhaupt die Wahl?

Als angestellter Arzt kannst du dich privat versichern, sobald dein Bruttojahresgehalt über der sogenannten Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) liegt – 2025 liegt diese bei ca. 69.300 €. Das ist in der Regel spätestens ab dem Facharzt-Status der Fall.

Für Beamte (z. B. Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst oder an Unikliniken) gibt es durch die Beihilfe von Anfang an die Option zur PKV.

Selbstständige Ärzte – z. B. Praxisinhaber – können unabhängig vom Einkommen zwischen GKV und PKV wählen.

Aber: Nur weil du es darfst, heißt das nicht automatisch, dass du es auch solltest.

2. Was spricht für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)?

Viele Ärzte entscheiden sich zu Beginn bewusst für die GKV – vor allem wegen der Einfachheit und Planbarkeit.

Vorteile der GKV für Ärzte:

  • Beiträge einkommensabhängig – bei Teilzeit, Elternzeit oder Karenzzeiten oft günstiger
  • Familienversicherung für Kinder und Ehepartner ohne Zusatzbeitrag
  • Kein Prüfungsstress: Keine Gesundheitsprüfung bei Aufnahme
  • Stabilität durch das Solidarsystem

Aber die GKV hat auch klare Grenzen – und genau die werden Ärzten oft dann schmerzlich bewusst, wenn es ernst wird.

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3. Was bietet die private Krankenversicherung (PKV) Ärzten?

Die PKV bietet leistungsstarken Schutz – vor allem dann, wenn man jung, gesund und einkommensstark einsteigt. Für Ärzte gibt es oft sogar spezielle Ärztetarife mit besonders attraktiven Konditionen.

Vorteile der PKV:

  • Höherwertige Leistungen: Chefarztbehandlung, Einzelzimmer, schnellere Termine
  • Zugang zu Spezialisten und Wunschbehandlung
  • Beitrag ist unabhängig vom Einkommen
  • Oft günstiger als GKV – besonders zu Beginn der Karriere
  • Viele Anbieter mit Ärztetarifen, Leistungsbausteinen und Beitragsrückerstattungen

Klingt perfekt? Nicht ganz. Denn die PKV bringt auch Verantwortung mit sich – vor allem langfristig.

4. Die Tücken der PKV: Worauf Ärzte unbedingt achten sollten

Gerade junge Ärzte unterschätzen oft die langfristigen Auswirkungen eines falsch gewählten Tarifs. Was heute günstig wirkt, kann in 20 Jahren zur Kostenfalle werden.

Typische Fallstricke:

  • Tarife mit schwachen Leistungen (z. B. nur 75 % Zahnersatz, kein stationärer Komfort)
  • Kaum Rückstellungen → Beitragsexplosion im Alter
  • Gesundheitsprüfung mit Ablehnungs- oder Zuschlagsrisiko
  • Schlechte Beratung: „Schnell rein, Provision kassieren, weg“

Einmal drin, ist ein Wechsel schwierig – darum ist es entscheidend, von Anfang an den richtigen Tarif zu wählen und regelmäßig zu prüfen.

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5. GKV oder PKV: Typische Situationen aus dem Ärztealltag

  • Assistenzarzt (32, angestellt): Verdient knapp über der JAEG, noch unsicher. → Vorteil: GKV bringt Familienversicherung, PKV spart Beiträge, wenn keine Kinder.
  • Facharzt (38, verheiratet, 2 Kinder): Wechsel zur PKV kann sich lohnen – aber nur, wenn Leistungen und Rückstellungen passen. Familienversicherung entfällt, also Zusatzkosten berücksichtigen.
  • Oberarzt (45, bereits in der PKV): Fragt sich, ob sein Tarif noch sinnvoll ist – viele Ärzte zahlen zu viel für alte Tarife mit wenig Leistung. → Beratung und ggf. interner Tarifwechsel sinnvoll.
  • Selbstständiger Arzt (52, Praxisinhaber): Hat volle Wahlfreiheit, aber oft wenig Überblick. Beitragssicherheit & langfristige Planung sind hier entscheidend. → PKV oft sinnvoll, aber mit Weitblick gestalten.

6. Fazit: Was ist besser – GKV oder PKV?

Die bessere Wahl gibt es nicht pauschal – es gibt nur die bessere Lösung für deine Lebensrealität.

Wenn du jung, gesund und karriereorientiert bist, bietet die PKV viele Vorteile. Aber nur, wenn sie sauber strukturiert ist – mit soliden Rückstellungen, guter Leistung und einem Berater, der deine Branche versteht.

Die GKV kann in Phasen der Elternzeit, Teilzeit oder bei geringerem Einkommen Vorteile bringen. Aber du erkaufst dir diese Flexibilität oft mit längeren Wartezeiten, eingeschränkter Versorgung und fehlender Individualisierung.

KriteriumPKV (Private KV)GKV (Gesetzliche KV)
LeistungHöherwertig (Chefarzt, Einzelzimmer etc.)Standardversorgung
BeitragUnabhängig vom EinkommenEinkommensabhängig
FamilieZusatzbeiträge je PersonFamilienversicherung inklusive
WartezeitenKürzer, bevorzugte BehandlungTeilweise lange Wartezeiten
FlexibilitätIndividuell anpassbarEinheitliches System
GesundheitsprüfungJa, ggf. RisikozuschlägeNein
BeitragsentwicklungPotenziell steigend im AlterStaatlich reguliert
Langfristige PlanungErfordert Weitblick & TarifstrategieWeniger Planungsaufwand

7. Unser Tipp: Lass dich unabhängig beraten – nicht überreden.

Wir erleben täglich Ärzte, die in der GKV geblieben sind, obwohl sich die PKV langfristig gelohnt hätte. Und andere, die voreilig in schlechte Tarife gedrängt wurden.
Unsere Aufgabe ist nicht, dir etwas zu verkaufen – sondern dir alle Fakten zu liefern, damit du selbst entscheiden kannst. Klar, unabhängig und auf Augenhöhe.

Über den Autor
Thorsten ist Versicherungskaufmann und seit 1999 in der Versicherungsbranche. Nach 7 Jahren im angestellten und selbständigen Vertrieb zog es ihn in den Vertriebsinnendienst und war im Bereich Key-Account (private Krankenversicherung) verantwortlich. Danach hat er als Leiter eine neue Abteilung aufgebaut.
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